Warum schwitzt der Mensch? Die Transpiration hat gleich mehrere gute Gründe. Zum einen ist es ein effektiver Mechanismus, um überschüssige Wärme abzugeben und die Körpertemperatur an der Oberfläche, aber auch im Inneren des Körpers zu regulieren. Da Sekret der ekkrinen und apokrinen Drüsen – sie können pro Tag bis zu 14 Liter Schweiß produzieren – kühlt die Haut an der Oberfläche. Zum anderen hat Transpiration einen weiteren Zweck: Signalwirkung! Schweiß enthält Pheromone, also Sexualduftstoffe, und kommt somit der Fortpflanzung zugute.
Übermäßiges Schwitzen schafft hohen Leidensdruck
Im Laufe der Evolution war die Thermoregulation durch Schweiß ein Vorteil bei der Jagd – so konnte der Homo erectus „persistence hunting“ betreiben und größere Distanzen zurücklegen. Im zweiten Jahrtausend angelangt, gibt es deutlich weniger Vorteile. Im Gegenteil: Schwitzen kann lästig sein! Das gilt vor allem für Menschen, die an Hyperhidrose leiden, an einer übermäßigen Schweißproduktion. Sie kann zu starken sozialen und beruflichen Einschränkungen führen. Die ästhetisch-plastische Chirurgie kann hier nachhelfen und die Schweißdrüsen durch eine Operation entfernen.
Primäre und sekundäre Hyperhidrose
Die Wissenschaft spricht ab einer Schweißproduktion von 100 mg Schweiß in fünf Minuten von Hyperhidrose. Jedoch wird Hyperhidrose nicht allein durch die Menge, sondern anhand der Fehlfunktion des Schwitzens definiert. Der Leidensdruck von Patienten hängt allerdings stark von einer subjektiven Einschätzung ab.
Primäre Hyperhidrose
Die primäre Hyperhidrose, die meist angeboren ist, wird durch eine Anamnese diagnostiziert. Die Übergänge zwischen starkem Schwitzen und einer Hyperhidrose sind fließend, so kann eine Diagnose nur anhand der Symptome erfolgen. Typische Symptome sind:
Erste Symptome im Kindes- und Jugendalter (unter 25 Jahre)
Schwitzen unabhängig von Temperatur, unvorhersehbar und nicht kontrollierbar
Auftreten öfter als einmal pro Woche
Beeinträchtigung des Alltags
Kein vermehrtes Schwitzen im Schlaf
Familienanamnese positivDie Hyperhidrosis axillaris und palmoplantaris kann wiederum in drei Schweregrade eingeteilt werden:
Grad I Vermehrte Hautfeuchtigkeit, Schwitzflecken zwischen 5 – 10 cm Durchmesser.
Grad II Bildung von Schweißperlen, Schwitzflecke mit 10 – 20 cm Durchmesser, Schwitzen auf Palmae und Plantae begrenzt
Grad III Schweiß tropft hinunter, Schwitzflecke mit über 20 cm Durchmesser, Schwitzen auch an Fingern und Zehen und Seitenrändern von Hand und Fuß
Sekundäre Hyperhidrose
Die sekundäre Hyperhidrose ist nicht angeboren, sondern nur das Symptom einer Grunderkrankung. Die möglichen Erkrankungen reichen von hormonellen Erkrankungen (Diabetes mellitus) über psychische Belastungen bis hin zur Medikamenteneinnahme oder den Wechseljahren.
Hyperhidrose nach Lokalisation des Schwitzens
Neben der primären und sekundären Hyperhidrose unterscheidet die Medizin außerdem noch das Schwitzen nach dem Ort der übermäßigen Schweißproduktion.
Axilläre Hyperhidrose (Schwitzen unter den Achseln)
Palmare Hyperhidrose (Schwitzen in den Handflächen)
Hyperhidrose auf Stirn und Gesicht
Plantare Hyperhidrose (Fußschweiß)
Chirurgische Therapien
Nicht jede Form der Hyperhidrose kann mit der chirurgischen Schweißdrüsenentfernung therapiert werden. Die plastische Chirurgie kennt unterschiedliche Verfahren, um die Schweißdrüsen durch eine Operation zu entfernen.
Exzision (Chirurgische Entfernung der Schweißdrüsen)
Die Schweißdrüsenexzision erfolgt unter Vollnarkose. Hierbei wird ein Teil der Haut, in der die Schweißdrüsen lokalisiert sind, herausgeschnitten. Nur ein kleiner Rest von Drüsenanteilen verbleibt in der Haut. Der Eingriff bringt eine recht lange Narbe mit sich, auch Funktionseinschränkungen sind möglich. Die Exzision kann entweder eine Teil- oder eine Radikalexzision sein.
Vorteile der Exizision
+ Einmaliger Eingriff
+ Dauerhafte und in der Regel sehr zufriedenstellende Resultate
Nachteile
– Zahlreiche mögliche Komplikationen, etwa Wundheilungsstörungen, Hautnekrosen
– Sichtbare Narbe
– Möglicherweise Bewegungseinschränkung
– Lange Rekonvaleszenzphase
Fazit: Wegen der vielen Nachteile wird die chirurgische Entfernung der Schweißdrüsen nur im Einzelfall empfohlen.
Subkutane Schweißdrüsenentfernung
Es gibt zwei Arten der subkutanen Schweißdrüsenentfernung, die subkutane Kürettage und die Saugkürettage, eine Art Liposuktion. Indikation für alle Eingriffe ist die konservativ therapieresistente axillare Hyperhidrose.
Subkutane Saugkürettage /Liposuktion
Die subkutane Saugkürettage erfolgt unter Lokalanästhesie. Mit kleinen Inzisionen in den Achselhöhlen saugt der Arzt das Unterhautfettgewebe ab. Mit einer Kürette mobilisiert er die Schweißdrüsen und saugt diese anschließend mit speziellen Kanülen ab. Nach dem Absaugen wird die Wunde mittels Klammerpflaster verschlossen. Der Eingriff gleicht in etwa der Fettabsaugung.Vorteile der subkutanen Saugkürettage
+ Gewebeschonende Technik
+ Keine Nähte
+ Keine Narben sichtbar
+ Örtliche BetäubungNachteile der subkutanen Saugkürettage
– Hämatome
– Zystenbildung möglich
– Wundheilungsstörung möglich
– Rezidiv-Gefahr, wenn nicht alle Schweißdrüsen entfernt werden
Subkutane Kürettage
Die subkutane Kürettage verläuft ähnlich ab wie die Saugkürettage. Erst erfolgen zwei Inzisionen im schweißdrüsentragenden Areal des Achselgebiets, dann werden die Schweißdrüsen mittels einer Kürette, also einer Art scharfem Löffel, herausgeschabt. Der Eingriff erfolgt unter Lokalanästhesie oder Allgemeinanästhesie.
Vorteile der subkutanen Kürettage
+ Spannungsfreie Nähte
+ Keine Narben
+ Örtliche Betäubung
Nachteile der subkutanen Kürettage
– Wundheilungsstörungen möglich
– Hämatome möglich
– Hautnekrosen möglich
– Rezidivgefahr
Alternativen zur chirurgischen Schweißdrüsenentfernung
Zur chirurgischen Schweißdrüsenentfernung oder -absaugung gibt es eine Reihe von Alternativen. Die wohl einfachste, aber nicht für jeden hilfreiche Methode, ist der Einsatz von Antitranspirantien. Lokale Schweißhemmer mit Aluminiumchlorid gerben die Haut und verschließen so die Poren. Bei empfindlicher Haut kann es allerdings zu Hautreizungen im Bereich der Achselhöhlen führen.
Weitere mögliche Verfahren im Überblick:
Systemische Therapie mit Antihidrotika
Medikamente wie Atropin können die Schweißbildung unterbinden. Problematisch sind hierbei allerdings die beträchtlichen Nebenwirkungen, wie etwa Sehstörungen oder Müdigkeit. Auch pflanzliche Mittel, wie Salbeiextrakte, Kampfer oder Belladonna-Extrakte sollen die Schweißbildung hemmen.
Chemische Denervierung mit Botox
Botulinumtoxin A, bekannt aus der Faltenspritzung, verhindert die Übertragung von Impulsen von den Nerven zur Schweißdrüse und kann so die Schweißbildung einschränken. Nach allen Regeln der Kunst durchgeführt, wird die Schweißproduktion erheblich vermindert. Vorteil dieses Eingriffs ist, dass hier keine Schnitte gesetzt werden müssen, sondern dass das Botox mit feinsten Nadeln in die Haut gespritzt wird. Der Nachteil der Behandlung ist, dass diese regelmäßig – etwa nach sechs bis acht Monaten – wiederholt werden muss, da die Wirkung von Botox mit der Zeit nachlässt. Bei guter Verträglichkeit kann die Behandlung ohne Bedenken unbegrenzt wiederholt werden, die Wirkungsdauer nimmt mit jeder Behandlung zu. Ein Nachteil der Behandlung: Sie ist relativ teuer.
Iontophorese
Bei der Iontophorese werden die betroffenen Areale mit schwachem Gleichstrom behandelt. Der Patient taucht z.B. Hände und Füße in ein Wasserbad, das über Elektroden an schwachem Gleichstrom angeschlossen ist. Der Wirkungsmechanismus der Therapie ist noch unklar, wahrscheinlich wird der Sekretionsmechanismus der Schweißdrüsen funktionell gehemmt. Der Nachteil dieser Langzeittherapie ist, dass sie relativ zeitaufwändig ist: Der Patient muss das Verfahren zu Beginn etwa drei Mal die Woche, noch besser täglich, durchführen. Zudem wirkt die Therapie nicht bei allen Patienten.
Schweißdrüsenabsaugung beim Ästhetisch-Plastischen Chirurgen
Schönheitskliniken und Ästhetisch-Plastische Chirurgen setzen meist auf die die Absaugung der Schweißdrüsen. Der Eingriff dauert etwa eine Stunde, er erfolgt ambulant unter Lokalanästhesie, Patienten können meist nach einer Ruhephase von einigen Stunden wieder nach Hause gehen. Vor der OP müssen alle Vorerkrankungen mitgeteilt und regelmäßiger Medikamentengebrauch abgesprochen werden. Blutbild und Blutgerinnung werden vor dem Eingriff standardmäßig kontrolliert.
So läuft die Operation ab:
Jod-Stärke-Test oder anderer Test der Schweißproduktion
Gewebe wird mit Ultraschall vorbehandelt
Tumeszenzlösung (großteils Kochsalzlösung) wird unter die Haut gespritzt
Haut hebt sich vom darunter liegenden Gewebe ab
Nach rund 30 Minuten haben sich Schweißdrüsen mit eingebrachter Flüssigkeit vollgesogen
Nun können diese leichter mit einer speziellen Kanüle abgesaugt werden
Wunden werden mit Klammerpflaster verschlossen
Kompressionsverband wird angelegt
Nach der Operation
Der Patient bleibt etwa eine Stunde zur Kontrolle im Aufwachraum. Nach einem oder mehreren Tagen kann der Kompressionsverband entfernt und ein Pflasterverband angelegt. Der Patient erhält, falls gewünscht, leichte Schmerzmittel. Klammerpflaster oder Fäden werden nach einer Woche entfernt. Nach rund zwei Wochen Schonung ist wieder Sport möglich.
Die Kosten der Schweißdrüsen-Absaugung
Die Kosten für die Schweißdrüsenabsaugung variieren zwischen 2.500 und 3.000 Euro, je nach individueller Situation. Bei einem medizinisch indizierten Eingriff beteiligt sich die Krankenkasse evtl. mit einem Zuschuss.